Glaubensgespräch: Hülya Wunderlich und Pfr. Dr. Westerhoff

Islamisch-christliches Glaubensgespräch: Hülya Wunderlich im Gespräch mit Pfarrer Dr. Westerhoff

„Alle Menschen sind als Muslime geboren.“, so die durchaus provokante Aussage, die Ali Zaherinezhad in die Diskussion des islamisch-christlichen Gespräches einbrachte. Der gebürtige deutsche Wissenschaftler iranisch-irakischer Herkunft forscht derzeit an der Uni Hamburg in einem Sonderforschungsbereich zu Manuskriptkulturen in Asien, Afrika und Europa und beschäftigt sich dabei auch mit den Quellen seiner eigenen islamischen Religion. Zaherinezhad erläuterte die Gebetspraxis eines Muslims bzw. einer Muslima, u.a. auch wie das rituelle Gebet vollzogen wird und welche Texte des Korans dabei zitiert werden.

Die Gebetspraxis im Islam und im Christentum war auch die Richtung, die Pfr. Dr. Westerhoff eingangs für das Glaubensgespräch vorgegeben hatte. Aus ihrem praktischen Alltagsvollzug erzählten die beiden Hofer Vertreter des Podiums Dr. Fasli Kücüköztürk und Hülya Wunderlich eindrücklich. Dabei kamen auch ihre biografischen Erfahrungen zur Sprache, wie sie selbst zum Gebet kamen durch das Beispiel von Familienangehörigen. Beide stellten fest, dass ihre aktuelle Gebetspraxis sich auch an die Gegebenheiten hier angepasst hat. Dr. Kücüköztürk führte als Gastbeitrag auch musikalische Formen des Gebets vor, die sich vom rituellen Gebet zu den Tageszeiten und in der Moschee unterschieden.

Das Publikum, wohl überwiegend christlich geprägt, kam ebenfalls zu Wort und brachte die christliche Gebetspraxis orientiert am Vaterunser sowie an frei formulierten Gebeten zum Ausdruck. Eine freie Form des Gebets kennt der Muslim ebenso, sekundierten die Mitglieder des Podiums.

Eigentlich waren die 1,5 Stunden viel zu kurz und man hätte noch manches mehr mit den Gästen besprechen können. Dazu war im Anschluss noch Gelegenheit bei einem leckeren orientalischen Imbiss von Gülay Üstün.

Außerdem hatten sich einige Interessierte noch zu einer Moscheeführung am folgenden Nachmittag in der DITIB-Moschee gemeldet. Der Imam und ein Gemeindeglied beantworteten bereitwillig alle unsere Fragen. Die Gruppe durfte bei einem Gebet dabei sein und den Gebetsraum mit allen Einzelheiten ansehen. Der Imam las anschließend noch einen Abschnitt aus dem Koran vor.

Dass alle Menschen als Muslime geboren seien, wollten dann doch die christlichen Gesprächspartner nicht ganz unwidersprochen stehen lassen. Andererseits regte diese Aussage auch zum engagierten Gespräch über Religion, Taufe, Christentum und Islam an und zum Nachdenken über Trennendes und Gemeinsames.

Michael Grell, Pfr.