Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag. Wir laden Sie dazu ein, Gottesdienst zu feiern. 
Das Team des Kinderhauses hat zusammen mit Pfr. Dr. Westerhoff einen Gottesdienst aufgenommen. 
Leider mussten wir aus urheberrechtlichen Gründen das Schlussspiel an der Orgel herausschneiden.
Nehmen Sie sich das dicke blaue Gesangbuch.
Zünden Sie eine Kerze an und feiern Sie zuhause Gottesdienst.

 

Oder feiern Sie mit Bibel und Gesangbuch folgenden Lesegottesdienst:

„Jesus zieht in Jerusalem ein“, Gemeinschaftsarbeit entstanden im Hort des Evangelischen Kinderhauses Kreuzkirche am 13. März 2020

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wir singen

Lied 91,1.2.5.6 Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken

Wir beten als Psalmgebet Psalm 69,2-4. 8-10. 14. 21b-22. 30. Wenn Sie mit mehreren diesen Gottesdienst feiern, können Sie die Psalmverse im Wechsel sprechen:

2 Gott, hilf mir!

                Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle.

3 Ich versinke in tiefem Schlamm,

                wo kein Grund ist;

ich bin in tiefe Wasser geraten,

                und die Flut will mich ersäufen.

4 Ich habe mich müde geschrien,

                mein Hals ist heiser.

Meine Augen sind trübe geworden,

                weil ich so lange harren muss auf meinen Gott.

8 Denn um deinetwillen trage ich Schmach,

                mein Angesicht ist voller Schande.

9 Ich bin fremd geworden meinen Brüdern

                und unbekannt den Kindern meiner Mutter;

10 denn der Eifer um dein Haus hat mich gefressen,

                und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.

14 Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade;

                Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.

21b Ich warte, ob jemand Mitleid habe, aber da ist niemand,

                und auf Tröster, aber ich finde keine.

22 Sie geben mir Galle zu essen

                und Essig zu trinken für meinen Durst.

30 Ich aber bin elend und voller Schmerzen.

                Gott, deine Hilfe schütze mich!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

                wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Wir beten das Gebet des Tages (ein Mitglied des Teams)

Jesus Christus,
Menschen haben dir zugejubelt
und dich dann doch allein gelassen.
du wurdest gefoltert und getötet.
Wir erschrecken über die dunklen Möglichkeiten, die in uns sind.
Schenke uns Klarheit über uns selbst,
über unsere Zuneigungen und unsere Aggressionen.
Hilf uns um deiner Liebe willen.
Amen.

Wir lesen aus der Bibel: Philipper 2,5-11.

Wir singen Lied 14,1.3 Dein König kommt in niedern Hüllen.

Wir lesen den Predigttext Markus 14,1-9

und lesen dazu folgende Predigt:

 

Liebe Gemeinde,
liebe Brüder und Schwestern, liebe Freunde,

„er hat gekämpft, er hat sich nicht aufgegeben, bis zuletzt“, so hört man reden.

Aber hier, in diesem Evangelium, scheint sich jemand aufgegeben zu haben. Er bringt die Legende zu dem schönen Bild von der Salbung durch eine Frau und sagt: „Sie hat die Salbung meines Leibes zum Begräbnis vorweggenommen.“ So etwas sagt man nicht, man muss immer Hoffnung haben. Man muss es zwanghaft, wenn das Leben hier auf Erden alles sein soll. Aber pessimistisch scheint Jesus auch nicht gewesen zu sein, obwohl er klar sah, was ihm bevorstand. Denn er wusste auch zu sagen: Was nach dem Tod kommt, ist das Evangelium, das auf der ganzen Welt verkündigt wird.

In der Predigt dieses Evangeliums wird jene Frau nie vergessen werden, die tat, was sie konnte. Es ist etwas, was drinnen in einem Zimmer passiert, abgeschlossen von der Außenwelt. Das Evangelium vom Palmsonntag ist laut: „Hosianna! Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn“, schreien die Leute, die Jesus in die Stadt hinein eskortierten (Markus 11,9). Jetzt hat man den Lärm der Stadt hinter sich gelassen. Sie sind jetzt in einem Dorf außerhalb der Stadt, in einem abgeschlossenen Raum. Der wird jetzt ganz erfüllt von dem Duft der Narde, eines wohlriechenden Baldriangewächses, das im Himalaya zuhause ist.

Der Duft des Evangeliums breitet sich jetzt auch in ihrem Zimmer aus, in dem Sie jetzt diesen Gottesdienst feiern. Ein Duft, der den Raum erfüllt, ist meistens der Duft nach guten Essen. Vielleicht dringt er gerade aus der Küche herüber in den Raum, in dem Sie sitzen.

Die Frau mit dem Alabastergefäß in der Handtasche kam unvermutet herein. Wenn die Tür aufgeht und jemand kommt herein und hat eine gute Nachricht, dann ist das auch ein guter Geruch, die gute Stimmung, die von der guten Nachricht ausgeht, verbreitet sich im ganzen Raum und nimmt mich mit und trägt auch meine Seele: „Endlich wurde sie befördert“, eine gute Nachricht. Sie erzählt es zufrieden und glücklich. Mehr Ehre bedeutet das und eine Gehaltserhöhung.

Die Frau, die zu Jesus hereinkommt, sagt gar nichts. Vielleicht war sie auch dabei in der Menge derer, die Palmzweige auf den Boden warfen und ihre Kleider vor Jesus und dem Esel ausbreiteten und sie sah sich das alles an und sah Jesus an, der zu dem allen schwieg. Und sie wunderte sich. Er reitet hier ein, als der ungekrönte König auf dem Arbeitstier und dem Fortbewegungsmittel der einfachen Leute. Es fehlt ihm etwas, spürte sie. Er muss zum König gesalbt werden. Niemand tut es. Ich muss es tun. Und so kauft sie sich dieses sündhaft teure Duftöl, das teurer war, als was ein Legionär an Sold für ein ganzes Jahr erhielt.[1] „Du salbest mein Haupt mit Öl“, beten wir im 23. Psalm und das bedeutet die allerhöchste Anerkennung als Mensch. Diese Anerkennung und Verehrung bringt hier eine Frau ohne Worte zum Ausdruck. „Das geht wie Honig runter“, sagen oder denken wir, wenn uns einer ein tolles Kompliment macht. Ruhig, schlicht, klar gibt Jesus zu verstehen, dass er das Kompliment annimmt: “Sie hat ein gutes Werk an mir getan“, verteidigt er sie vor ihren Anklägern, und dann, sehr befremdlich: „Sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis.“ Es sollte doch die Salbung eines Königs werden und er versteht’s ganz anders. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe, heißt es (Joh 10,11).

An den Tod denken wir nicht gerne. Jetzt spricht er mit bedrohlichen Zahlen aus den Nachrichtensendungen: 864 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden wurden am Mittwoch aus Spanien gemeldet. Wer wird sich an mich erinnern, wenn ich so hinweggerafft werde? Wer wird mir eine Träne nachweinen, wenn es gar keine richtige Beerdigung gibt? Aber Jesus ist der, welcher ein immerwährendes Gedächtnis und Gedenken verspricht. Er muss sterben, aber die namenlose Frau wird ein ewiges Leben haben, ein Gedenken, das nie ausgelöscht werden wird.

So lasst es auch uns heute tun, alles geben, wie diese Frau alles gegeben und dadurch auch Ärgernis erregt hat. Es war ein Bekenntnis zu diesem Jesus, ein schönes Bekenntnis.

Mehr oder weniger eingeschlossen in unseren Räumen riechen wir den Duft der Freiheit. Jesus ist so frei und geht in den Tod und kämpft nicht und die Frau tut alles, was sie kann, um diesem König von Israel (Johannes 12,13) eine große Ehre zu erweisen.

Das Sterben, wenn es so in großen Zahlen auftritt, scheint das Leben eines einzelnen Menschen so wertlos zu machen, als wäre er ganz gleichgültig und dem Vergessen anheimgegeben. Aber aus dem Tod Jesu, so sehen wir und staunen, erwächst ein Gedächtnis und eine Anerkennung von uns sterblichen Menschen, so wie diese Frau nie mehr vergessen wird. Sie trägt keinen Namen, denn in das Bild dieser Frau können viele Namen eingeschrieben werden.

Menschen wachsen über sich hinaus und geben alles. Dazu provoziert Jesus auch noch heute, wenn dieses Evangelium vorgelesen wird, schlicht durch das, was er ist: Er ist einer, der es an sich geschehen lässt, was ihm bestimmt ist und das ist eine Antwort auf unser Gebet: „Dein Wille geschehe“. Eine leibhafte Antwort auf unser Gebet ist er.

Dein Wille geschehe, und niemand muss sich schämen, weil er alles gibt und hineinlegt in das Bekenntnis zu Jesus und es einfach so geschehen lässt wie er’s gerade kann und hat. Der Wille unseres Vaters im Himmel, der geschehen soll, wie wir beten, der will, dass hier keiner vergessen wird.

Amen.

 

 

Wir sprechen das Glaubensbekenntnis

und singen von Lied 14, 4.5 Und wo du kommst herangezogen …

Wir beten, wenn es möglich ist, im Wechsel:

Eine: Im Vertrauen auf Gottes heilendes Nahesein lasst uns beten.

Eine andere: Lasst uns beten für die Menschen, die krank sind an Leib, Seele oder Geist:

Eine: Lieber Gott, du kennst die Not eines jeden Menschen.
Stärke die Geduld und die Hoffnung der Kranken,
besonders wenn sie ohne Besuch bleiben müssen.
Sei ihnen nahe mit deinem heiligen Engel.
Tröste sie durch die Kraft deines Heiligen Geistes.
Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gemeinde: Amen.

Eine andere: Lasst uns beten für die Menschen, denen die Sorge um Kranke und Pflegebedürftige anvertraut ist:

Eine: Lieber Gott, deine Fürsorge gilt allen Menschen,
denen, die Hilfe brauchen, und denen, die helfen.
Wir bitten dich:
Gib täglich neuen Mut den Mitarbeitenden in den Krankenhäusern,
Kraft und Mitgefühl.
Hilf, dass ihre Belastung in erträglichen Grenzen bleibt.
Erfreue sie durch Mitmenschen, die ihnen ein Zeichen der Anerkennung geben.
Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gemeinde: Amen.

Eine andere: Lasst uns beten für betagte Menschen:

Eine: Lieber Gott, Bewahre den alten Menschen ein fröhliches Herz, wenn sie jetzt allein und ohne Besuch bleiben müssen in Altenheimen und Pflegeheimen, Lass sie mit Humor mit sich selbst umgehen, wenn sie an sich zu zweifeln beginnen.
Gib, dass sie sich nicht schämen, von ihren Gefühlen zu den Jungen zu reden und schenke Großeltern per Telefon oder Bildtelefon einen friedevolles Zusammensein mit ihren Enkeln.
Tröste die Todkranken. Lass die Sterbenden in Frieden abscheiden.
Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gemeinde: Amen.

Eine andere: Lasst uns beten für junge Menschen:

Eine: Lieber Gott, wir bitten dich für einen jungen Menschen,
der soziale Kontakte liebt und sie jetzt nicht ausleben kann,
um Geduld, wenn er nun nur mit sich selbst und mit seiner Familie zusammen ist.
Wir bitten für ein Kind, das jetzt zum Geburtstag nicht seine Freundinnen und Freunde einladen darf, dass es sich trotzdem seines Lebens freut.
Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gemeinde: Amen.

Eine andere: Lasst uns beten für Unternehmer und Freiberufler:

Eine: Lieber Gott,
wir bitten dich für die Gastwirte und für alle, die auf eigene Rechnung arbeiten, bei denen jetzt die Küche kalt ist und die ohne Aufträge dastehen. Erfreue uns bald wieder, nachdem du uns so lange plagest.
Unsere Hoffnung richten wir auf dich.

Gemeinde: Amen.

Eine andere: Lasst uns beten für die Mächtigen der Erde und für die Armen.

Eine: Herr, friedlich zogst du ein auf einem Esel, ohne eine mitreißende Rede. Dir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.
Die Mächtigen der Erde werden schwach durch einen kleinen Virus,
und den Prahlhälsen stopfst du das Maul.
Ein anderer wittert in der Krise eine Chance und macht sich zum Diktator.
Aber wer tritt für die ein, welche in Ländern leben, in denen es keine Krankheitsversicherung gibt und keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
Lehre uns Solidarität üben – weltweit.

Amen.

Wir beten Vaterunser

Und sprechen den Segen: Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

[1] Dieser Sold hat 250 Denare betragen, wie man im Internet nachlesen kann: http://bibellexikon.wikifoundry.com/page/Denar vom 23.2.2007.