Einweihung unseres evangelischen Kinderhauses Kreuzkirche

Am Freitag, dem 16. Juli 2021 um 15 Uhr war es endlich so weit und unser general­saniertes und erweitertes Kinderhaus konnte eingeweiht werden.

 

     

 

Wir freuten uns über Ehrengäste, wie Dekan Günter Saalfrank, die Oberbürger­meisterin Eva Döhla, Geschäftsleitung des Kirchengemeindeamtes Hof Sabine Kapitän, Leiterin des Jugendamts Hof Frau Carmen Siniawa, Unternehmens­be­reichs­­leiter für Jugend und Soziales Klaus Wulf und den Elternbeirat Michael Böhm.

Die Veranstaltung fand im neu angelegten Kräutergarten des Kinderhauses statt, in dem allerdings nicht nur Kräuter zu finden sind, sondern auch dank der tatkräftigen Hilfe unserer Kinder stattliche Rhabarberpflanzen und vieles, vieles mehr wächst und gedeiht.

Zum Auftakt der Veranstaltung tanzten unsere Kinder, die bei fröhlicher Musik aus dem Haus in den Garten hinaus.

Die Einführungsworte sprach die Leiterin des Kinderhauses Frau Diana Hein. Von ihr erfuhren wir, dass das Kinderhaus von 130 Kindern, die aus 20 Nationen stammen, besucht wird. Das Kinderhaus beschäftigt 25 Mitarbeiter. In Ihrer Ansprache blickte Frau Hein auf die anstrengende Interimszeit im Provisorium zurück. Trotz allen Herausforderungen, die der Umbau, die zwei Umzüge und die zahllosen Baube­sprechungen mit sich brachten, blieb die Stimmung und die Atmosphäre bei den Mitarbeitern und den Kindern immer gut. Jetzt sind aber trotzdem alle sehr froh und stolz, dass im März dieses Jahres das schöne neue Kinderhaus bezogen und erobert werden konnte. Frau Hein nutzte die Gelegenheit, sich ganz herzlich bei ihrem Team und dem Architekten Herrn Schmidt für die Unterstützung zu bedanken.

Es gab viele Daten und Zahlen, die von allen Rednern sehr kindgerecht erklärt wurden. Die Arbeit begann bereits im November 2019 mit den Abbruchtätigkeiten. Während der Bauphase waren 17 Firmen der Hauptgewerke im Kinderhaus tätig. Die besondere Herausforderung bestand darin, das Haus zu erweitern, sanieren und zu modernisieren, aber den Charakter des Komplexes weitestgehend zu erhalten. Durch die Erweiterung gewann das Kinderhaus eine Fläche von 330 m² dazu. Pfarrer Dr. Westerhoff umreißt die Kosten des Projekts und dankt im Namen der Kreuzkirche ganz herzlich für die Zuschüsse und für das Engagement jedes einzelnen, der zum Gelingen dieses großen Projekts beigetragen hat! Die Gesamtkosten beliefen sich auf 3.502.166,72 Euro. Ein Betrag in Höhe von 2.269.380 Euro wurde vom Bayerischen Staat bezuschusst, 252.150 Euro übernahm die Stadt Hof, jeweils 167.400 Euro wurden von der Landeskirche und der Gesamtkirchenverwal-tung bezuschusst. Auf unsere Kreuzkirche entfiel ein Betrag von 645.836,72 Euro. Pfarrer Dr. Westerhoff wünscht dem Kinderhaus Gottes Segen! 

Die Erweiterung des Kinderhauses ließ eine neue Krippengruppe entstehen, so dass nun 13 Kleinkinder zusätzlich unser Kinderhaus besuchen können. Die großen Fenster des Kinderhauses lassen nicht nur viel Licht ins Innere, sondern verbinden den Innen- mit dem Außenbereich. Es ist ein Haus entstanden, das beschützt, das zum Spielen und Lernen anregt, in dem man Freunde treffen kann, in dem die Kreativität, Bewegung und Individualität gefördert wird. Ein Haus, in dem die Kinder an erster Stelle stehen und in dem es darum geht, dass jedes einzelne Kind mit seinen Bedürfnissen ernst genommen und gefördert wird, damit es einfach glücklich und mit Spaß und Freude Kind sein kann und sich bestmöglich entwickeln kann. Hier steht die Menschlichkeit an erster Stelle!

In unserem Kinderhaus Kreuzkirche wird aber nicht nur gespielt und gelernt, es soll den Kindern rundum gutgehen und sie sollen sich hier wohl und geborgen fühlen. Dafür, dass die Kinder gesund und vollwertig ernährt werden, sorgt unser engagierter und motivierter Koch Sven Horn in seinem Wirkungsbereich unserer hauseigenen Küche. Das ist einzigartig in unserer Region! Kein Kind muss bei uns sein eigenes Frühstück mitbringen. Selbstverständlich ist auch für das Mittagessen, das aus Biolebensmitteln frisch zubereitet wird, gesorgt. Die Kinder können in sicherem Abstand unserem Koch beim Zubereiten der Speisen zusehen und auch Wünsche äußern.

Die ehemalige Leiterin des Kinderhauses Frau Primus, schenkte zur Eröffnung ein selbst gemaltes Bild mit vielen bunten Händen, die sich nach oben strecken und einer segensreichen Hand, die von oben kommt. Das Bild soll die vielen Nationen symbolisieren, die in unserem Haus friedvoll zusammenkommen und alle von Gott behütet werden. Frau Hein dankte Frau Primus für das Bild und versprach einen schönen Platz im Kinderhaus dafür zu suchen.Stellvertretend für alle Mitarbeiter des Kinderhauses dankte Frau Katrin Rossner im Gebet Gott.  

Dekan Günter Saalfrank dankte im gemeinsamen Gebet Gott für das Gelingen des Projekts und stellte das Kinderhaus unter Gottes Schutz und Segen. Herr Saalfrank verwies auf die Bibel, in der es heißt, Gott hat die Kinder lieb. Kinder sind eine Gabe des Herrn, jedes einzelne ist etwas Besonderes. Hier wird viel für sie getan, um die Kinder gut auf das Leben vorzubereiten. Herr Dekan spricht den Mitarbeitern des Kinderhauses, dem Pfarrer Dr. Westerhoff und dem Kirchenvorstand der Kreuzkirche seinen Dank für die gelungene Konzeption aus.

Unser Kinderhaus Kreuzkirche besitzt eine Vorbildfunktion. Es ist die größte evange­lische Einrichtung in der Region und die erste im Dekanat Hof, mit eigenem Koch! Dekan Saalfrank ist sich sicher, dass Erwachsene viel von den Kindern lernen können, denn die Kinder können sich uneingeschränkt freuen, sind ehrlich und unkompliziert. Bereits Luther sagte, dass man in Kindern der Barmherzig­keit Gottes auf frischer Tat begegnet. Auch Herr Saalfrank hatte ein Geschenk zur Einweihung dabei. Er überreichte ein buntes Kreuz aus Glas als Geschenk, verbunden mit dem Wunsch, dass der Glaube an Gott Farbe in unser Leben bringt!

In einem Lied baten die Kinder des Kinderhauses um den Segen des Herrn und schickten ihre Wünsche wie Sterne in den Himmel: „dass sich alle gut verstehen!“, „Gesundheit für die Kinder, Eltern und Erzieher“, „keine größeren Verletzungen und Unfälle“, „dass man zu Besuch kommen darf“, „ganz viele Abenteuer“, „keine Langeweile“, „dass jeder jedem hilft“, „dass sorgfältig mit dem Haus umgegangen wird“, „dass es lange bleibt, so dass die Kinder der Kinder es auch noch besuchen können“.

Auch unsere Oberbürgermeisterin Frau Eva Döhla sprach gute Worte für das Haus und unterstrich, den guten Ruf, den unsere Einrichtung genießt. Sie lobte die hervor­ragende Arbeit und wertschätzte das gute Team, für die mit Seele und Herz erbrach­te Leistung. Da von den Kindern bereits alle guten Wünsche ausgesprochen worden sind, wünschte Frau Döhla, dass die Wünsche der Kinder in Erfüllung gehen mögen! Frau Döhla überreichte im Namen der Stadt Hof Geschenke, die in der Hofer Jugend­­­werkstatt aus unbehandeltem Holz angefertigt worden sind:  Einen LKW mit Anhänger und einen Ziehwagen!

Unser Kinderhaus Kreuzkirche hat Vorbildcharakter und besitzt Leuchtkraft! Bereits seit 2011 nimmt unser Kinderhaus an dem Projekt der Sprach-Kita teil, mit der besonderen Qualifikation auf die Sprachentwicklung von Kindern unter 3 Jahren. In diesem Rahmen finden auch Elternberatungen statt.

Im Namen der Eltern dankte der Elternbeirat Michael Böhm dem Team für die geleistete tolle Arbeit. Er fragte die Kinder wie ihnen denn ihr neues Kinderhaus gefällt: „Bis zum Weltraum!“ und einem anderen „100 Millionen“ und das Essen sei „superlecker“!

Bevor sich die Vorschulkinder zur Abschlussfeier ihrer Kindergartenzeit in die Kreuzkirche verabschiedeten, wurde noch ein großer Segenskreis gebildet.

Vor der Führung durch die Einrichtung durften sich die Gäste noch etwas stärken und vom Können unseres Kochs überzeugen.

Kindergottesdienst David zählt bis Fünf

Wie jedem Monat findet ein Kindergottesdienst statt. Am Sonntag, dem 20. März, ist es wieder so weit. Diesmal spielen zwei Konfirmanden und zwei Teammitglieder die Geschichte des Davids weiter. Den Titel David zählt bis fünf könnt Ihr wahrscheinlich nicht verbinden, hingegen müsstet ihr David gegen Goliath kennen. Wenn Ihr kommt, freut es uns sehr!

Kindergottesdienst am 20. Februar

Wie jeden Monat gibt es einen Kindergottesdienst, dieses mal geht es um David der gesalbt wird und in den Hof Sauls aufgenommen wird. Wir werden wie immer zuerst ein Puppenspiel performen und danach etwas Nettes basteln. Wir freuen uns sehr, wenn ihr kommt.

Workshop der Studentischen Umweltinitiative Hof am 26.11.2021

Gerne möchte wir Sie aufmerksam machen auf einen Workshop der Studentischen Umweltinitiative Hof, der am Freitag in den Gemeinderäumen der Kreuzkirche stattfindet.

Hergestellt werden zwei verschiedene Salben und Bienenwachstücher.

Kinder sind frei.

Bitte melden Sie sich umgehend an. Am Dienstag möchten die engagierten Studierenden die Materialien besorgen, was sie natürlich nur tun, wenn sich genügend Personen anmelden.

thumbnail of 1637268697415_1637268165889_21.11.26 SUI FlyerZutritt mit „2G“.

Online Gottesdienst am 18. April durch Pfarrer Michael Grell

Hirtensonntag, Gedenktag der Verstorbenen der Pandemie, Gedenktag des Auftritts Luthers vor dem Kaiser in Worms 1521 „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ – Hören Sie hier unseren Gottesdienst zum Sonntag Misericordias Domini, die Barmherzigkeit des Herrn. 

Hier zum Abspielen auf das „Play-Symbol“ klicken:

 

Der Herr ist mein getreuer Hirt, Wer nur den lieben Gott lässt walten – Organistin Hildegard Arbeiter-Stöhr 
Weil ich Jesus Schäflein bin – Organist Jonas Kaufmann (Orgel), Dekanatskantorin Sophia Lederer (Querflöte))
Ein Schafbild aus Obersachsen 2021
Pfarrer Michael Grell

Zum Eingang

Herzlich willkommen zu unserem Hörgottesdienst am Hirtensonntag. So nennt ihn der Volksmund, weil an diesem Sonntag die Hirtentexte der Bibel im Mittelpunkt stehen. Vom guten Hirten werden wir heute hören und miteinander in Gedanken und Worten beten: „Der Herr ist mein Hirte.“

Doch was erschließt sich uns heute in diesem uralten Bild vom Schafhirten und seiner Herde? In den alten Kulturen, in Israel, in Ägypten, im Zweistromland, gehörten die Hirten zum alltäglichen Leben. Als Hirte konnten aber auch der König selbst bezeichnet werden, oder die Priester, die sich ihrem Volk zuwendeten.

Von guten Hirten, auch von schlechten ist in biblischen Zeiten die Rede. Nicht selten wird an diese Rede heute nahtlos angeknüpft. Uns gilt der Pfarrer, der Bischof als Hirte, seltener der Politiker. Hirtenkritik ist landauf landab in aller Munde. Gute Hirten gelten als Vorbilder für den Glauben und die christliche Gemeinde. Wo die Hirten ihrer Aufgabe oder Verantwortung nicht nachkommen, laufen die Schäflein in Scharen davon, heißt es. Oder sie gehen in die Irre und fühlen sich im Stich gelassen.

Allein gelassen fühlen sich nicht nur die Intensivmediziner in diesen Wochen der dritten Welle. Viele andere mehr müssen vor Ort in ihrem Bereich Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen sie nicht absehen können. Ich gebe zu, auch ich würde mich gerne darum drücken. Könnten da nicht die Oberhirten mal einen klaren Weg vorgeben? Sind wir nun ganz auf uns allein gestellt?

In diesem Gottesdienst suchen wir Orientierung mit Hilfe dieses alten Bildes vom Hirten. Und Trost in den uralten Worten und in der Musik, die unser Herz und unsere Seele berühren.

Lasst uns den Psalm des Königs David beten – in Gedanken und wer mag mit eigenen Worten mitsprechen:

Psalm 23

EG 591 – Weil ich Jesu Schäflein bin

Lesung des Evangeliums – Joh 10

Glaubensbekenntnis

Wochenlied EG 274 – Der Herr ist mein getreuer Hirt

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Gemeinde,

diese Hirtenkritik war gewichtig. Manchmal können Worte noch Jahrhunderte nachwirken. Worte, wie diese: Und solange mein Gewissen durch die Worte Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es unsicher ist und die Seligkeit bedroht, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helf mir. Amen.

Luthers Worte vom 18. April 1521, gesprochen, ja fast unhörbar leise gesagt, vor den versammelten Hirten des Heiligen Römischen Reiches in Worms, sind evangelisches Selbstverständnis bis heute. Sie sind auch Ausdruck von Selbstbewusstsein, manchmal natürlich eines übergebührlich übersteigerten.

Sie sind nicht zuletzt Kritik an den Hirten der damaligen Zeit, Kritik an einer römischen Kirche, die ihr Heil in Seelenmessen für im Fegefeuer verharrende Verstorbene sah, Kritik an einer Lehre, die dem einzelnen Gläubigen die Angst vor Gott einredete, und mit menschlichen Werken, oft auch finanziellen Mitteln, diese zu lindern versprach.

Dass Luther seiner eigenen Überzeugung folgte, die er beim Studium der Bibel und der mittelalterlichen Schriften gewann, und diese rhethorisch gewandt vor dem Kaiser bekannte, ja mit Gewissheit bestätigte und nicht widerrief, ließ bei den Versammelten einen Moment lang den Atem stocken. In dieser kurzen Unterbrechung geschah offenbar etwas, womit niemand gerechnet hatte. Weil da einer stand, der seinen Standpunkt unverrückbar vertrat, wurden alle herausgefordert auch ihren Standpunkt neu zu vermessen. Die Fürsten, die Vertreter der römischen Kirche, sogar der Kaiser. Für einen kurzen Moment wurde eine Tür aufgestoßen, die dann freilich schnell wieder zugestoßen werden sollte. Aber manchmal genügt eben auch ein kurzer Moment, um 500 Jahre danach noch die Erinnerung zu pflegen.

Musik

Und der Geist kam in mich und stellte mich auf meine Füße. Mit beiden Beinen im Leben verkündigt der Prophet Ezechiel das Wort des Herrn. Er war selbst ein Hirte, wie Luther einer war. Sein Wort, der heutige Predigttext geht an die Hirten des Volkes Israel:

So spricht Gott, der Herr:
Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden!
Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

So spricht Gott, der Herr:
Siehe, ich will an die Hirten
und will meine Herde von ihren Händen fordern;
ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind,
und sie sollen nicht mehr sich selbst weiden.
Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen,
dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

Denn so spricht Gott der Herr:
Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen
und sie suchen.
Wie ein Hirte seine Schafe sucht,
Wenn sie von seiner Herde verirrt sind,
so will ich meine Schafe suchen
und will sie eretten von allen Orten
wohin sie zerstreut waren zur Zeit,
als es trüb und finster war.
Ich will sie aus den Völkern herausführen
und aus den Ländern sammeln
und will sie in ihr Land bringen
und will sie weiden auf den Bergen Israels,
in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande.
Ich will sie auf die beste Weide führen,
und auf den hohen Bergen in Israel
sollen ihre Auen sein;
da werden sie auf guten Auen lagern
und fette Weide haben auf den Bergen Israels.
Ich selbst will meine Schafe weiden,
und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr.
Ich will das Verlorene wieder suchen
und das Verirrte zurückbringen
und das Verwundete verbinden
und das Schwache stärken
und, was fett und stark ist, behüten;
ich will sie weiden, wie es recht ist.

Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meine Weide,
und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

Musik

Die Kritik an den Hirten scheint zeitlos gültig zu sein; zumindest die Kritik an denen, die sich selbst weiden und den Blick für andere verloren haben. Selbstbewusst und mit beiden Beinen auf dem Boden stehend verkündet Ezechiel dieses Wort den religiösen und politischen Hirten seines Volkes, die mit ihm an den Fluß Kebar ins Exil nach Babylon deportiert worden waren. Sie hätten ihre Verantwortung nicht wahrgenommen und mehr auf sich selbst geschaut als auf andere.

Werden solche Hirten überhaupt noch gebraucht in Ezechiels Zukunftsvision? Sei scheinen wie hinweggewischt. Gott tritt ja an ihre Stelle.

Was macht Gott anders als die selbst ernannten Hirten? – Er sucht, was verloren ist. Er bringt zurück zur Herde die, die ihren eigenen Weg auch mal ein wenig störrisch gehen. Er verbindet die Wunden der Verletzten, die an Leib und Seele leiden. Er macht den Schwachen Mut, so dass sie sich einbringen können. Er setzt sich zu ihnen und nimmt sich Zeit für sie, so wie es der Prophet Ezechiel selbst tut, als ihn die Herrlichkeit des Herrn an den Fluß Kebar trägt. Aufeinander achten, hören und den anderen ernst nehmen ist der Anfang dieser Aufgabe des Hirtendienstes. Auch die Gefahren von außen hält er ferne.

Aber noch einmal: Wird dann überhaupt noch ein Hirte gebraucht, wenn Gott doch unser Hirte ist, wenn Chrisuts als guter Hirte für uns da ist?

In Fragen des Glaubens ist es wirklich so, dass wir alle einander zu guten Hirten werden können. Da, wo der Geist Gottes weht, stellt er uns – wie Ezechiel – auf unsere eigenen Füße. Wir können selbst für uns vor anderen sprechen. Auch wenn wir diesem inneren Ruf nicht immer voll vertrauen und uns zutrauen, davon anderen weiter zu sagen oder für sie da sein zu können, so können wir doch oft viel mehr für andere tun als wir uns selbst zutrauen.

Als Martin Luther am 17. April zum ersten Mal vor den Kaiser und die Fürsten trat, wusste er nicht recht, was er antworten sollte, so überrascht war er von der Forderung, er möge widerrufen, was er geschrieben hatte. Doch am Tag darauf gab der Geist ihm die rechten Worte und es entstand ein heilsamer Moment, nicht weil da einer ein kraftvolles Wort gesprochen hatte. Vielmehr, weil da einer – auch gelehrt und geschickt – aber vor allem bewusst persönlich gesprochen hatte. Dieses Bekenntnis vor den Hirten hat die Anderen in einem Moment der Unterbrechung herausgefordert, ihren persönlichen Glaubens-standpunkt selbst zu formulieren. Der Kaiser tat dies in seiner Antwort noch binnen Tagesfrist. Freilich kam er zu dem Schluss, dass dieser einzelne Mönch nur irren könne, wo doch über tausend Jahre Tradition und viele Gelehrte es anders wussten.

Aber die Tür stand einen Moment lang offen. Zeit genug, sich selbst auf sich und auf Gott zu besinnen ohne alles Schielen auf die Vorteile der Hirtenämter. Zeit bei sich selbst und bei Gott zu sein – oder bei Christus, dem Hirten, der die Seinen kennt und sie ihn. Ein Moment, in dem man erfährt: wir alle sind gehütet vom guten Hirten Christus.

Vielleicht ist das das Weltgeschichtliche an dem Moment gewesen, dass die Beteiligten es in dieser schwierigen Situation schafften, aufeinander zu hören, wenn auch nur für einen kurzen Moment einander stehen zu lassen, obwohl sie grundverschiedener Ansichten waren.

Musik

Wenn wir in geistlichen Dingen auf Gott, den guten Hirten hören, dann wissen wir wie der Prophet und der Reformator es in ihrem Moment wussten: Wir sind selbst gemeint. Es geht um uns. Wir können uns nicht aus dem Hirtenamt stehlen. Wir tragen alle dort Verantwortung, wo wir in der Welt hingestellt sind: für unsere Familien, für die Kinder in der Schule, für unseren Arbeitsbereich, für die Gemeinschaften, in denen wir uns einbringen. Jeder kann in seinem Gebiet ein Hirte für andere sein. Das ist nicht immer einfach. Der Hirtenjob war auch nie einfach. Er ist draußen in der Welt bei Wind und Wetter zu versehen, es lauern Tag und Nacht Gefahren, man muss wachsam und achtsam sein.

Wir erleben derzeit, wie Hirten sich aus ihrer Verantwortung stehlen. Gleichzeitig werden wir daran erinnert, dass wir als Hirten für unseren Bereich Dinge vor Ort entscheiden, weil wir es selbst können. Auch wenn wir uns das nicht immer zutrauen und uns nach einem Jahr Ausnahmezustand die Kräfte ausgehen: Wir können es.

Der weltgeschichtliche Moment von Luthers Auftritt vor dem Kaiser in Worms könnte uns daran erinnern, dass wir selbst in der Verantwortung stehen vor Gott und den Menschen als Hirten die uns anvertraute Herde recht zu weiden. Er könnte uns daran erinnern, dass wir angesichts großer Differenzen eine heilsame Unterbrechung im Hören aufeinander brauchen. Und ein Hören auf das, was Gott uns heute zu sagen hat.

Er ist der Hirte unserer Seelen. Er bleibt in Ewigkeit. Lasst uns immer wieder auf ihn sehen, wenn wir den Mut verlieren oder die Kräfte schwinden. Der Herr bleibt unser getreuer Hirt.

Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Lied EG 274,1+2 – Der Herr ist mein getreuer Hirt 

Gebet und Segen

Barmherziger Gott,
Du bist zu uns wie ein guter Hirte,
der seinen Schafen nachgeht und für sie sorgt,
gib, dass wir mit dir leben
bei dir bleiben
und unser Hören und Tun auf dich ausrichten.

Barmherziger Gott,
gib für den Hirtendienst an unserem Volk
und an deiner Kirche die rechten Worte,
Zeit zum Hören und zum Gespräch miteinander,
Geduld einander zu achten
und einander ernst zu nehmen,
auch dort, wo wir unterschiedlicher Meinung sind.

Barmherziger Gott,
gib, dass wir den Dienst an Sterbenden
bald wieder mit mehr Nähe ausüben können,
dass wir Menschen nicht allein gehen lassen müssen,
sondern sie sich beistehen dürfen,
wie sie es sich versprochen haben,
in guten wie in schweren Zeiten.

Barmherziger Gott,
wir gedenken heute besonders derer,
die im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie
verstorben sind,
lass dein ewiges Licht leuchten für sie
und für ihre Angehörigen und Freunde,
die zu oft sich einen tröstlicheren Abschied
mit einer Gemeinde gewünscht hätten.

Barmherziger Gott,
gib uns allen die Kraft,
die nächste Strecke des Weges zu gehen,
für andere als Hirten da zu sein,
wo sie uns brauchen.
Schenk uns deinen Geist,
die Verantwortung zu übernehmen,
die uns je und je neu aufgetragen ist.
Amen.

Vaterunser

Segen

Orgelnachspiel

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erstellt von:

Evang.-Luth. Kirchengemeinde Köditz

Pfarrer Michael Grell

Bergstraße 4

95189 Köditz

Tel. 09281-66427